Schwierige Handhabung, fehlendes Energieaufnahmevermögen und fehlende Redundanz bei der Stahlseiltechnik hat die Bergwacht Bayern bereits vor ca. 10 Jahren veranlasst auf ein Verfahren mit halbstatischen Seilen umzustellen.
Die sinnvoll einsetzbare Seillänge war allerdings auf 200 m begrenzt. Die Ablegefrist dieser Seile läuft derzeit aus. Die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen entwickelte mit Unterstützung der Bergwacht Mittenwald in den letzten Jahren ein neues Verfahren mit Dyneemaseilen. Mit dieser Seiltechnik können Strecken über mehrere hundert Meter sicher und schnell bewältigt werden.
Das Dyneemaseilverfahren wurde im Herbst 2010 in Anlehnung an die Norm „prEN 341 Klasse A“ zertifiziert. In den letzten Monaten wurde es bei Rettungen bereits mehrfach erfolgreich eingesetzt. Die Vorteile der neuen Rettungstechnik sind höhere Festigkeiten und Zulassung für vier Personen bei einer mehr als 50%igen Gewichts- und Volumenreduzierung, getrennte und redundante Seilführung, signifikant höhere Kantenfestigkeit, sowie Resistenz gegen UV-Strahlung und 50%igen Säuren.
Am 17.9.2011 war es dann soweit – das letzte fest installierte Stahlseil in den bayerischen Alpen, mit einer Länge von 600m, wurde abgebaut und ins Tal geflogen. Um 7:30 Uhr landet eine „Super Puma“ der Bundespolizeifliegerstaffel Süd aus Oberschleißheim auf dem Hubschrauberlandeplatz der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen. Die Planung für diesen Tag lautete wie folgt:
- Transportflug der Übungsteilnehmer ins Oberreintal
- Absetzen der Bergretter mit der Rettungswinde auf dem Oberreintaldom
- Abbau und Außenlast-Transportflug der Stahlseilvorrichtung ins Tal
- Übung: Bodengebundene Rettung einer Seilschaft aus der Oberreintaldom-Nordwand mittels Dyneemaseilverfahren
- Filmaufnahmen über eine Sicherheitseinweisung für die Super Puma, dem Abbau der Stahlseileinrichtung und der Dyneemaseilübung
Bei bestem Herbstwetter lief alles wie geplant. Die Super Puma der Bundespolizei bewies bei dieser Aktion ihre Gebirgstauglichkeit in vollem Umfang. Die hohe Hubschrauberleistung der „Super Puma“ ermöglichte eine absolut stabile Position bei drei Doppelwinchvorgängen und einem Lastenwinch in Folge. Insbesondere für den Transport einer Gruppe von Einsatzkräften im alpinen Gelände, bei Lawineneinsätzen oder bei Evakuierungsmaßnahmen ist dieses Hubschraubermuster eine wichtige Ergänzung der in Bayern stationierten Hubschraubermuster.



































