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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.
Montag, 14. September 2009

Bergmesse im Nebelmeer: Ein halbes Jahrhundert Seeleinsee-Diensthütte

Bergwacht Freilassing feiert 50-jähriges Diensthütten- und 25-jähriges Hüttenwart-Jubiläum

FREILASSING/SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE (ml) – Inmitten der nebelumhüllten, unwirklichen Landschaft des Hagengebirges, zwischen Hochseeleinkopf und Kahlersberg-Massiv haben die Bergwacht Freilassing und ihre Freunde und Förderer am Samstag das 50-jährige Bestehen ihrer Diensthütte und das 25-jährige Hüttenwart-Jubiläum von Bergwacht-Urgestein Hans Putzhammer gefeiert. Mit dabei waren auch die Bürgermeister von Freilassing und Ainring, Josef Flatscher und Hans Eschlberger.

 

Obwohl umherziehende Nebelschwaden das Gesicht der Gipfel im Minutentakt verändern und die Sonne ein nur seltener Gast an diesem herbstlichen Samstag im September ist, nehmen immerhin rund 80 Besucher nach einem über drei Stunden langen Aufstieg an der von Kaplan Martin Ringhof auf einem Steinaltar unterhalb der Hütte feierlich zelebrierten Bergmesse teil. Die Vogelauer Sänger und die jungen Musikanten „Kellerblech“ erfüllen die ansonsten stille Weite des Tals für rund eine Stunde mit ihren Klängen, bis wieder nur mehr von Zeit zu Zeit der Schrei des Steinadlers zu hören ist. Während der gesamten Messe steht Hans Putzhammer nahezu regungslos mit seiner Fahne am Altar und genießt still und stolz seinen Ehrentag.

 

„Ich bin seit 32 Jahren bei der Bergwacht Freilassing und bin 690 mal zur Hütte raufgegangen“ erzählt er stolz während seines Rückblicks auf ein halbes Jahrhundert Seeleinsee-Hütte. Die Diensthütte in 1.890 Metern Höhe wurde zwischen 1956 und 1959 als Stützpunkt für den Bergrettungsdienst auf der Kleinen Reibe in über 14.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden gebaut und dient noch heute erschöpften und in Not geratenen Bergsteigern als Schutzhütte, wenn sie von der Bergwacht zu später Stunde aufgenommen und versorgt werden.

 

Wegen der schneereichen Winter konnte damals während der Bauphase nur in den vier Sommermonaten gearbeitet werden. Das gesamte Baumaterial wurde von der Jenner-Mittelstation oder über die Hochbahn zum Priesberg und dann über den Stiergraben heraufgetragen. Die Einweihung war am 27. September 1959 bei strömenden Regen. Aufgrund der rauen Witterungseinflüsse musste das Bauwerk während der vergangenen 25 Jahre immer wieder saniert werden, wobei die Bergwachtler fast 1.000 ehrenamtliche Stunden geleistet und das gesamte Material ohne Fördergelder beschafft haben.

 

Sepp Schlachtbauer, unermüdlicher Hüttenbau-Organisator war 25 Jahre lang Hüttenwart und wurde 1984 durch Hans Putzhammer abgelöst. Schlachtbauer starb mit 96 Jahren im Februar 2009, konnte die Hütte aber 2003 bei einem von seinen Kameraden organisierten Hubschrauberflug nochmals besuchen. Seit 1992 steht an der Hütte ein Funknotruftelefon bereit, das bei fehlendem Handynetz oft wertvolle Dienste leistet.

 

„Damit du dich beim Auf- und Abstieg in Zukunft nicht mehr so plagen musst“, sagt Bergwacht-Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch und überreicht Putzhammer nach der Messe ein paar Wanderstöcke als Geschenk zum Hüttenwart-Jubiläum; der „Putzei“ strahlt und seine Augen funkeln. Kaplan Martin Ringhof und Bürgermeister Josef Flatscher schließen sich den Glückwünschen an und danken dem überall bekannten urigen Hüttenwart und seinen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz im Dienst auf und an der Hütte; als Geschenk gibt’s obendrein eine Spende der Stadt Freilassing und eine Flasche Schnaps.

 

Während aus den offenen Hüttenfenstern schon der Duft von Gulaschsuppe, Leberkäse und Kuchen ausströmt, stimmt Putzhammer mit lautstarker Unterstützung durch die Blechbläser und Sänger die Bayernhymne an, die weit über die nur wenige hundert Meter entfernte Grenze ins Österreichische hinein zu hören ist; wieder funkeln seine Augen und sein Herz lacht. Als die mit Brotzeit und Getränken gestärkten Besucher am frühen Nachmittag in kleinen Gruppen über den Stiergraben in Richtung Tal zurückwandern, wird es langsam wieder still am Seeleinsee und der Hüttenwart denkt an die alten Zeiten zurück.

 

Autor: Text und Bilder: Markus Leitner

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