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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.
Mittwoch, 17. September 2014

Mehrtägiger Sucheinsatz für einen 51-jährigen Bergwanderer

Als ein 51 jähriger Mann aus Dorsten nicht mehr in sein Urlaubsquartier in Bad Tölz zurückkehrte, erstattete die Pensionsbesitzerin bei der Polizei Vermisstenanzeige. Bergwacht und Polizei suchten daraufhin eine Woche lang nach dem Vermissten.

Nachdem eine Polizeistreife das Auto des Vermissten an der Talstation der Brauneckbergbahn ausfindig machte, wurde eine Bergtour des Dorsteners im Brauneck-Benediktenwandgebiet angenommen. Ein Tourenziel war den Einsatzkräften nicht bekannt, was die Suche schwierig werden ließ. Denn dieses schöne Wandergebiet ist nicht nur weitläufig sondern auch durchaus alpin.
Am ersten Tag suchten Bergretter aus Lenggries und Tölz die Nahbereiche sämtlicher Wanderwege ab. Ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera suchte die kupierte Nordseite der Achselköpfe ab, das Suchfahrzeug der Bergwacht Penzberg leuchtete mit optischen Suchmitteln die glatten Südwände ab. Auch Flächensuchhunde der Lawinenhundestaffel - Bergwacht Hochland kamen zum Einsatz. Eine Handyortung konnte nicht durchgeführt werden, weil das Handy mehrere Tage nicht mehr im Netz eingebucht war.
Am zweiten Tag wurde die Suche intensiviert, bis sich das Wetter verschlechterte. Durch tiefhängende Wolken und Regen waren weder Suchflüge, noch ein optisches Absuchen durch das Suchfahrzeug möglich. Auch die Suchhunde konnten durch die kalten Temperaturen keine Witterung aufnehmen.
Am Freitag wurde der Polizei eine weitere Handynummer des Gesuchten bekannt gegeben und hier brachte die Handypeilung ein Ergebnis. Ein schmaler Strahl, der in das Einsatzgebiet zeigte, wurde bis zur angenommenen Wanderroute verlängert, bis sich ein Schnittpunkt ergab. Von nun an konzentrierte sich die Suche auf diesen Bereich, in dem sich alsdann Bergretter in den Südwänden und den nördlichen Gräben abseilten um diese Gelände abzusuchen.
Zudem versuchte ein Polizeihubschrauber mit einem IMSI-Catcher ein Handysignal des Gesuchten zu bekommen. Der Flug musste aber nach wenigen Minuten wetterbedingt abgebrochen werden.
Als am Dienstag das Wetter besser wurde, suchten zwei Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr, Flächensuchhunde der Bergwacht Hochland, Alpinpolizisten und Bergretter erneut nach dem Vermissten. Dabei konnte ein Bergretter in den nördlichen Abbrüchen der Achselköpfe einen Rucksack und Minuten später einen Bergschuh finden. Während der Polizeihubschrauber diesen Fundort anflog, meldete der Bergretter, dass er menschliche Leichenteile gefunden habe. Am Fundort erkannte der Polizeihubschrauber eine zweite Leiche. Der SAR-Hubschrauber der Bundeswehr brachte jetzt einen weiteren Bergretter und den Bergwachtarzt zu den Fundorten. Diese lagen nur 40 Meter auseinander, mussten aber mit Seilen abgesichert werden. Nachdem der Tod ärztlich bestätigt war, wurden zwei Alpinbeamte der Polizei für die Unfallaufnahme und weitere Bergretter zur Leichenbergung an die Einsatzstelle geflogen. Die Suchkräfte wurden während der Unfallaufnahme vom SAR Hubschrauber zum Bergwachtlandeplatz zurückgebracht. Am späten Nachmittag konnten dann beide Leichen mit Unterstützung des SAR-Hubschraubers geborgen und im Tal einem Bestatter übergeben werden. Während die zweitgefundene Leiche klar als der gesuchte 51 jährige Dorstener identifiziert wurde, ist die Identität des Erstgefundenen noch nicht klar. Hier wird erst ein DNA-Abgleich Sicherheit bringen. Man vermutet aber einen 60jährigen Münchner, der im vergangenen Jahr von einer Bergtour nicht zurückgekehrt war. Diese Suche gestaltete sich damals noch schwieriger, weil der Mann über die geplante Tour keinerlei Hinweise hinterließ. Der Münchner reiste gewöhnlich mit dem Zug in die Berge und fuhr mit dem Fahrrad weiter, das bis jetzt noch nicht gefunden wurde. Somit waren weder Start noch Ziel der Bergtour bekannt. Lediglich ein Telefonat, das damals zur Mittagszeit geführt wurde, konnte einen Hinweis auf das Benediktenwandgebiet geben.


Sucheinsätze sind generell schwierig zu bewältigen. Das Gebiet ist größer als gewöhnliche Einsatzorte, oft mit gefahrvollen Bereichen, zudem sind viele Einsatzkräfte, teils aus unterschiedlichen Organisationen beteiligt. Deshalb ist bei diesen Einsätzen ein diszipliniertes, konzentriertes und kollegiales Arbeiten mit gut ausgebildeten Einsatzkräften unabdingbar.  Genau das war bei dieser Suche mit den Alpinbeamten der Polizei, den Piloten von Polizei und Bundeswehr, dem Suchfahrzeug der Bergwacht Penzberg, der Lawinenhundestaffel Hochland und den Bergrettern aus Bad Tölz und Lenggries der Fall und konnte von allen Teilnehmern bei der Abschlussbesprechung auf der Bergwachthütte bestätigt werden. Wenn allerdings wichtige Information zur Person oder dem Vorhaben fehlen, schwinden die Aussichten auf Erfolg enorm.

Autor: BW Lenggries

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