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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsätze

Donnerstag, 9. Juli 2015

45-jährige Forscherin stirbt nach Steinschlag in bisher namenloser Untersberg-Höhle

Höhlenretter der Bergwacht-Region Chiemgau unterstützen ihre Salzburger Nachbarn bei besonders tragischem Einsatz südöstlich oberhalb der Schweigmühlalm

GRÖDIG/UNTERSBERG – Die Höhlenretter der Bergwacht-Region Chiemgau mussten am Dienstag ihre Salzburger Kollegen bei einem besonders tragischen, grenzüberschreitenden Einsatz unterstützen: Eine 45-jährige Höhlenforscherin war in einer bisher namenlosen Schachthöhle rund 225 Meter oberhalb und südöstlich der Schweigmühlalm in etwa 70 Metern Tiefe von einem Stein am Kopf getroffen worden. Die Verletzungen waren so schwer, dass die Frau trotz intensiver Wiederbelebungsversuche der Begleiter und Einsatzkräfte noch im Schacht verstarb.

Die 45-Jährige war mit drei weiteren Forschern am Nachmittag im Karstgebiet zwischen Schweigmühlalm und Mittagsscharte in einer noch nicht erforschten, namenlosen Höhle unterwegs, als sie in etwa 70 Metern Tiefe von einem herabfallenden Stein getroffen wurde. Die Begleiter leisteten sofort Erste Hilfe, wobei zwei bei der Verunfallten blieben und einer durch den Schacht zurück ans Tageslicht aufstieg, um einen Notruf abzusetzen, der um 15.49 Uhr bei der zuständigen Bergrettung Grödig einging.

Daraufhin lief eine groß angelegte, grenzüberschreitende Rettungsaktion an, an der auch die Höhlenretter der Bergwacht-Region Chiemgau beteiligt waren; die Höhlenretter arbeiteten im Schacht Hand in Hand mit ihren Salzburger Kollegen zusammen – ein mittlerweile aufgrund der beiden Großeinsätze im Vorjahr und zahlreicher Übungen sehr eingespieltes Team. Vier Hubschrauber brachten nach der Alarmierung im Pendelverkehr Retter und Ausrüstung zum Höhleneingang in über 1.600 Metern Höhe, wobei die Piloten auf einem kleinen Plateau im Latschenfeld anlanden konnten. Insgesamt waren am Abend 21 Bergretter, 30 Höhlenretter aus Österreich und Bayern, die Alpinpolizei, das Rote Kreuz und vier Hubschrauber im Einsatz. Die letzten Einsatzkräfte fuhren gegen 21.15 Uhr aus der Höhle aus und wurden dann im letzten Tageslicht zurück ins Tal geflogen.

„Die Höhlenforscherin war bewusstlos, ihr Zustand sehr schlecht“, sagte die Pressesprecherin der Salzburger Bergrettung, Maria Riedler am Abend. Gegen 21 Uhr brachten die Retter die an ihren schweren Kopfverletzungen Verstorbene an die Oberfläche zurück. Sie wurde mit dem Polizeihubschrauber per Tau ins Tal geflogen.

Bei der Höhlenrettung herrschte am Abend tiefe Betroffenheit. Viele kannten die Höhlenforscherin, die auch an der Riesending-Rettungsaktion vor rund einem Jahr beteiligt war. Wie Monika Feichtner, stellvertretende Landesleiterin des Salzburger Höhlenrettungsdienstes, sagte, war die vierköpfige Forschergruppe erfahren, gut ausgerüstet und gut vorbereitet in den Schacht eingestiegen. „Es handelte sich um ein neu gefundenes Höhlensystem; im Eingangsbereich gab es viele lockere Steine.“

Der Einsatz am Dienstag weckte Erinnerungen an die fast zweiwöchige Rettung eines Höhlenforschers im Juni 2014. Der Forscher hatte damals in der Riesending-Schachthöhle ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, konnte in einem Großeinsatz aber gerettet werden und ist inzwischen wieder komplett genesen. Am Riesending-Rettungseinsatz war auch die am Dienstag verunglückte 45-jährige Salzburger Höhlenforscherin aktiv beteiligt - genauso wie bei der Rettung eines 27-jährigen polnischen Höhlenforschers im August 2014 aus der Jack-Daniels-Höhle im Tennengebirge.

Autor: Markus Leitner

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