Mitglieder-Login

Passwort vergessen?

 

 

Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Nachrichten

Donnerstag, 13. September 2012

Segelflieger aus Baumkronen geborgen

Einsätze der Bergwacht Marquartstein

Die komplizierte Bergung eines Segelfliegers und eine Reihe weiterer Einsätze bei der Bergwacht Marquartstein waren die Bilanz der Sommermonate Juli und August.

Der Tag des Segelfliegerunfalls Ende August begann zunächst mit einer Routinealarmierung. Ein Bergsteiger hatte sich im Bereich des Weitlahners im Geigelsteingebiet bei einem Sturz eine Knöchelverletzung zugezogen. Vier Marquartsteiner Bergwachtmänner rückten zur Unterstützung der Schlechinger Bergwacht aus und halfen bei der Versorgung und dem Abtransport des Verletzten.

Kaum hatte man die Forsttrasse an der Dalsenalm erreicht, piepste der Funkmeldeempfänger erneut und meldete den Absturz des Segelfliegers an der Gscheuerwand. Der Marquartsteiner Einsatzleiter fuhr direkt zum Einsatzort in der Nordflanke der Gscheuerwand und zwei Schlechinger Bergwachtler schlossen sich  dem Marquartsteiner Team zur Unterstützung an. Auch zwei Fahrzeuge der Feuerwehr Unterwössen mit Steckleitern und einer Beleuchtungsanlage wurden zur Unterstützung alarmiert.

Das Segelflugzeug eines 60-jährigen Piloten aus Bad Endorf hatte im Bereich der Gscheuerwand aufgrund von Turbulenzen an Höhe verloren, mit der Tragfläche einen Baum gestreift und war dann in den Wald gestürzt. In etwa zehn bis fünfzehn Metern Höhe hing die Maschine mit der Nase nach unten in äußerst labiler Lage. Der Pilot saß noch in seiner Kanzel, war aber glücklicherweise bei dem Aufprall an einen dünneren Baum unverletzt geblieben, weil der Baum sich zur Seite gebogen hatte.

Eine direkte Bergung des Piloten mittels einer ausreichend langen Steckleiter erwies sich als zu gefährlich, die Maschine drohte jederzeit auf den Boden zu stürzen, da der dünne Baum zu wenig Halt bot. Eine Bergung vom Hubschrauber aus, der auf dem Segelflugplatz Unterwössen bereitstand, war ebenfalls nicht möglich, weil der Winddruck des Rotors das Segelflugzeug wohl zum Absturz gebracht hätte.

Es wurde daraufhin eine von den Marquartsteiner Bergwachtlern in Übungen bereits mehrfach trainierte Art der „Seilbahnbergung“ durchgeführt: An zwei höheren Bäumen rechts und links der hängenden Maschine wurden – unterstützt durch einen Polizeibergführer und beschleunigt durch die Feuerwehrleitern – zwei Standplätze in luftiger Höhe oberhalb des Flugzeuges errichtet und dazwischen Seile gespannt. Gesichert konnten nun die Bergretter am Seil bis zur Maschine gleiten und hängend im „Tragseil“ das Flugzeug mit Seilmaterial an dem dünnen Baumstamm fixieren und gegen den Absturz sichern. Bei Einbruch der Dunkelheit musste die Unfallstelle von der Feuerwehr ausgeleuchtet werden und der Pilot konnte nach dreistündigem fast bewegungslosen Ausharren in seiner Kanzel von einem Bergwachtler ans Seil   genommen und auf den Boden abgeseilt werden.

Nach der erfolgten Bergung des Piloten wurden die Rettungsseile und –mittel wieder abgebaut. An einem vorher befestigten Stahlseil zog die Feuerwehr dann das Flugzeug aus dem Baum. Es zersplitterte am Boden und wurde vollständig zerstört.

 

Vier weitere Einsätze erfolgten noch in den Sommermonaten: Eine Frau, die auf dem Steig von der Schnappenkapelle nach Staudach gestürzt war und sich den Unterschenkel gebrochen hatte, wurde vom Bergwachtarzt versorgt und von den Bergwachtlern in der Gebirgstrage in das Tal gebracht. Ein weiterer Bergsteiger mit einer Knöchelverletzung musste mit dem Geländewagen vom Hochgernhaus ins Tal transportiert werden.

Zweimal rückten die Bergwachtler am späten Abend aus, nachdem Bürger wegen Lichtzeichen im unwegsamen Gelände alarmiert hatten. In beiden Fällen waren aber wohl nur verspätete Bergsteiger mit Stirnlampen auf einem steilen Steig unterwegs. Trotzdem muss die Bergwacht in diesen Fällen das Gelände begehen, um eine Notlage auszuschließen.

Autor: Bergwacht Marquartstein

Der Pilot wird geborgen

WissensBox-LOGIN

____________________

weitere Informationen

 

 

 

Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung

Bergwacht-Zentrum