Mitglieder-Login

Passwort vergessen?

Nachrichten

Sonntag, 6. November 2016

Bilanz der Rottacher Bereitschaft: Riskante Einsätze prägen Bergsommer 2016

Der Sommer 2016 hat der Bergwacht im Tegernseer Tal einiges abverlangt. Dabei war es weniger die Anzahl der Einsätze, die die Retter in Atem hielt. Vielmehr mussten sie heuer zu besonders schweren und risikoreichen Bergungsaktionen ausrücken.

Allein drei Kletterunfälle – und damit ungewöhnlich viele – musste die Bergwacht-Bereitschaft Rottach-Egern heuer registrieren. Zweimal am Plankenstein und einmal am Leonhardstein gerieten Seilschaften in Bergnot. Mit dem Hubschrauber und jeweils einer sogenannten Kappbergung, bei der das Seil des Verunglückten nach dessen Sicherung durchtrennt wird, mussten die Kletterer aus der Wand geholt werden. „Das ist die Königsdisziplin der Rettungen“, macht Bereitschaftsleiter Felix Oswald (43) deutlich. Und sie sei mit einem hohen Risiko verbunden. „Wir üben das zwar regelmäßig“, sagt Oswald. Doch in der Realität komme diese Art der Bergung eher selten vor – mit Ausnahme dieses Bergsommers.
Besonders schwierig auch der Einsatz, zu dem die Rottacher Bergwachtler im September gerufen wurden. Im Bereich der Blauberge hatte sich eine Wanderin verstiegen, die Vermisste musste bei Dunkelheit mit dem Hubschrauber und einer Winde aus gefährlichem Gelände gerettet werden (wir berichteten). „Das ist purer Stress, da herrscht unter den Rettern massivste Anspannung“, sagt der Bereitschaftsleiter.

Das waren vier Einsätze unter vielen. Insgesamt, so zeigt die vorläufige Sommerbilanz, musste die Bergwacht zwischen Anfang August und Mitte September 45 Mal ausrücken. Im Schnitt ist das ein Einsatz täglich. Von Januar bis jetzt waren es rund 165 Einsätze – ein Wert, der im Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt.

Doch hat sich die Art der Einsätze durch neue Trendsportarten wie etwa das E-Bike-Fahren nicht verändert? Oswald winkt ab. „Das kann man nicht eins zu eins auf die Einsatzzahlen kopieren“, meint er. Mal habe man das Jahr der Schädel-Hirn-Traumen, mal das Jahr der Mountainbike-Unfälle – ein bestimmter Trend lasse sich hier nicht erkennen. Durchaus verändert habe sich allerdings das Verhalten der Menschen in den Bergen und auch deren Erwartungshaltung. Ganz nach dem Motto: per Knopfdruck auf dem Smartphone müssen alle Wünsche prompt in Erfüllung gehen. Gefährlich werde es zum Beispiel, wenn sich Wanderer und Biker nurmehr auf eine Berg-App auf dem Handy, ihr GPS oder eine Route verlassen, die sie im Internet gefunden haben. Schließlich sind nicht alle Wege für jeden gleichermaßen geeignet.

Die moderne Technik – in der Bergwelt kann sie Fluch, aber auch Segen sein. Erst kürzlich rückte die Rottacher Bergwacht zu einer Suchaktion aus, weil sich ein Pärchen im Bereich des Riedersteins im Nebel und in der einbrechenden Dunkelheit nicht mehr zurechtfand. Über das Smartphone konnten die Wanderer per SMS ihre genauen Koordinaten an die Rettungskräfte durchgeben. „Die mussten wir nur noch abholen“, berichtet Oswald.
Rund 65 Aktive und mehr als zehn Anwärter hat die Bergwacht-Bereitschaft im Tegernseer Tal derzeit in ihren Reihen. Oswald ist damit sehr zufrieden. „Wir haben einen gesunden Nachwuchs.“ Sogar eine Jugendgruppe mit Mädchen und Buben zwischen zwölf und 16 Jahren hat sich hier mittlerweile etabliert. Oswald ist froh, dass er sowohl auf die Jungen als auch auf die Erfahrung der „Altkameraden“ zurückgreifen kann. Auf Letzteres wolle er nicht verzichten müssen, sagt er.

 

Blick auf Landkreis-Statistik: Vier Bereitschaften rückten 130 Mal aus

In der landkreisweiten Statistik der Bergwacht gibt es heuer keinen Ausreißer: „Die Einsatzzahlen waren in den letzten Jahren auf weitestgehend gleichem Niveau“, erklärt Christian Daller von der Regionalvertretung Bergwacht Hochland. Diese Geschäftsstelle mit Sitz in Bayrischzell vertritt alle Bergwacht-Bereitschaften der Landkreise Miesbach und Rosenheim. Im Kreis Miesbach wurden die Bergwachten in den Monaten Juli bis September zu rund 130 Einsätzen gerufen, weiß Daller und fügt hinzu: „Die meisten Einsätze im Sommer betreffen die Kernsportarten Bergwandern und Bergradeln.“ Dabei sei die Ausrüstung in der Regel mittlerweile sehr gut. Auch die Bergwachten selbst seien im Landkreis „sehr gut aufgestellt“, meint Daller. Erfreulicherweise sei immer öfter zu beobachten, dass sich die örtlichen Bereitschaften – sie sitzen in Bayrischzell, Schliersee, Hausham und Rottach-Egern – bei Einsätzen gegenseitig personell unterstützen. Dass die Arbeit ausschließlich von ehrenamtlichen Einsatzkräften erledigt werde, sei dabei schon bemerkenswert. „Auch die Akzeptanz der Arbeitgeber, wenn der bei ihnen angestellte Bergwachtler von der Arbeit weg zu einem Einsatz gerufen wird, verdient ein dickes Lob.“

Quelle: Münchner Merkur vom 31. Oktober/1. November 2016

 

WissensBox-LOGIN

____________________

weitere Informationen

 

 

 

Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung

Bergwacht-Zentrum