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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

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Samstag, 14. März 2015

Reichenhaller Bergwacht war 2014 bei 71 Einsätzen gefordert

Schwerpunkt am „Kino-Berg“ Staufen – ungewöhnlich viel Arbeit im schneearmen Frühjahr, dafür war aber im Regen-August vergleichsweise wenig zu tun

BAD REICHENHALL (ml) – Die Reichenhaller Bergwacht war 2014 bei 71 Einsätzen gefordert – elf weniger als 2014, was vor allem am schneearmen Winter und der verregneten Haupturlaubszeit im August lag. Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger, sein Stellvertreter Stefan Strecker, Ausbildungsleiter Hans Lohwieser und Kassenwart Werner Thaler blickten am Freitag bei der Jahreshauptversammlung in der vollbesetzten Bergrettungswache mit vielen Ehrengästen auf ein dennoch sehr arbeitsreiches Jahr zurück, denn die heimischen Bergretter hatten neben 108 Ausbildungsterminen auch rund um den Riesending-Einsatz am Untersberg-Dürrfeld mit 20 weiteren Einsatztagen sehr viel zu tun. Für 40 und 50 Jahre aktiven Dienst wurden die Bergwacht-Urgesteine Günter Buckley und Manfred Halter geehrt.

Vier Totenbergungen
Burger gedachte zu Beginn der verstorbenen Bergsteiger und Kameraden, wobei auch 2014 vier Tote von der Reichenhaller Bergwacht in ihrem Einsatzgebiet geborgen werden mussten: Eine 28-jährige Frau, die am 22. Juni im Pidinger Klettersteig in den Nordwänden des Hochstaufens rund 200 Meter tief abgestürzt war, ein 73-jähriger Jäger, der am 13. Juli in einem Hochsitz am Untersberg-Almensteig (Knieschnaggler) akut intern erkrankt zusammengebrochen war und trotz intensiver Wiederbelebungsmaßnahmen nicht mehr gerettet werden konnte sowie zwei Suizidopfer.

Rund jeden fünften Tag im Einsatz
Aktuell engagieren sich 43 aktive Einsatzkräfte in der Reichenhaller Bergwacht, von denen 13 Einsatzleiter und 20 Flugretter sind. Elf weitere sind Anwärter und durchlaufen gerade die drei bis vierjährige anspruchsvolle Ausbildung zur aktiven Einsatzkraft. Die Retter mussten 2014 insgesamt 71 Einsätze in den Bergen und im unwegsamen Gelände rund ums Saalachtal abarbeiten; elf weniger als 2013, was vor allem am schneearmen Winter und der verregneten Haupturlaubszeit im August lag. Auch rund um die Rettung des verunglückten Höhlenforschers aus der Riesending-Schachthöhle im Untersberg und die späteren Aufräumarbeiten waren die Reichenhaller Bergretter mit weiteren, 20 in der eigentlichen Statistik nicht erfassten Einsatztagen personell stark gefordert, unter anderem mit der Bereitschaftsleitung, einem Notarzt und erfahrenen Einsatzleitern im Führungsstab, am Höhlenausgang oder am Hubschrauberlandeplatz in der Strub.

Schwerpunkt am gut einsehbaren Kino-Berg Staufen
„Der Schwerpunkt lag heuer eindeutig mit 17 (2013: 11) Alarmierungen am Staufen, den wir intern auch gerne als den Kino-Berg von Reichenhall bezeichnen, da die gesamte Südseite vom Tal aus so gut einsehbar ist und wir dort häufig Meldungen über als alpines Notsignal missverstandene Lichtquellen von Stirnlampen nachforschen müssen“, berichtete Burgers Stellvertreter Stefan Strecker, zugleich Leiter der Lawinen- und Suchhundestaffel in der Region Chiemgau. Am Predigtstuhl war dafür mit nur elf Alarmen (2013: 25) wesentlich weniger los als im Vorjahr. Sieben Einsätze waren am Teisenberg und Högl (2013: 3), sechs Einsätze im weitläufigen Gebiet rund um das Ristfeuchthorn (2013:4), jeweils weitere fünf Einsätze am Untersberg (2013: 1) und am Zwiesel (2013: 1), vier im Gebiet der Reiter Alpe (2013:13), weitere vier im Bereich Jochberg, Siebenpalven und Thumsee (2013: 6), drei am Fuderheuberg (2013: 1), jeweils zwei am Sonntagshorn (2013: 4), im restlichen Lattengebirge (2013: 4), auf Wanderwegen und Straßen im Tal (2013: 3) und im Skigebiet am Götschen (2013: 5) und einer am Müllnerhörndl (2013: 1).

Am meisten zu tun gab es trotz vieler Regentage mit elf Alarmen zur Haupturlaubszeit im Juli (2013: 21), gefolgt von den Schönwetter-Monaten September mit zehn Alarmen (2013: 5), Juni mit neun Alarmen (2013: 5) und Mai mit sechs Alarmen (2013: 11). Wegen des schwachen Winters waren viele südseitige Steige die meiste Zeit weitgehend schneefrei, weshalb die Bergwacht bereits im Frühjahr viel stärker als sonst gefordert war: Im Januar mit fünf Einsätzen (2013: 4), im Februar mit drei (2013: 1), im März mit sechs (2013: 3) und im April mit sieben (2013: 1). Im total verregneten August (2013: 17) musste die Bergwacht nur viermal ausrücken, da kaum Leute unterwegs waren. Im Oktober, November und Dezember pendelten sich die Zahlen mit fünf (2013: 8), vier (2013: 4) und einem Einsatz (2013: 2) auf dem üblichen Niveau der Vorjahre ein.

23 (2013: 25) der Einsätze waren wegen Verletzungen, 16 wegen Nachforschungen (2013: 11), 14 wegen internistisch Erkrankter (2013: 18), zehn Rettungen aus Bergnot (2013: 12), vier Vermisstensuchen (2013: 6), vier Totenbergungen (2013: 2) und eine Wiederbelebung (2013: 2). 21 Einsätze wurden mit Hubschrauber-Unterstützung abgearbeitet, darunter allein 13 mit „Christoph 14“ aus Traunstein. Dreimal war die Hundestaffel mit im Einsatz, einmal die Canyon-Rettungsgruppe, drei Einsätze waren im Dienst für andere Bergwachten außerhalb des Einsatzleitbereichs Saalachtal und dreimal war der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht gefordert. „Der ist eine ganz wichtige Sache; in den Anfängen haben wir über die Krisenberater vielleicht noch gelacht, heute aber sind wir froh, wenn sich speziell dafür geschulte Helfer um Bergkameraden und Angehörige von Vermissten und Verunglückten kümmern“, lobte Strecker.

Die Bergwacht wurde zum mittelständischen Unternehmen
Mittlerweile vier eigene Einsatzfahrzeuge, eine eigene Rettungswache mit Liegenschaft und die Törlschneid-Diensthütte müssen gepflegt, gewartet, verwaltet und auch finanziert werden. Kassenwart Werner Thaler berichtete von rund 37.000 Euro an Ausgaben, wobei die Benutzungsentgelte für Einsätze in Höhe von rund 28 Prozent der Gesamteinnahmen zur Deckung nicht ausreichen würden: „Wir sind deshalb weiter auf treue Spender, öffentliche Zuwendungen, Fördererbeiträge und gerichtliche Geldbußen angewiesen.“ Die größten Ausgaben fielen für Ausrüstung (25 Prozent), Fahrzeuge (17 Prozent), Gebäude (12 Prozent), Investitionen (12 Prozent) und Versicherungen (10 Prozent) an. Die Benutzungsentgelte für Einsätze werden nach einem speziellen Schlüssel bayernweit auf alle Bergwachten verteilt, damit auch strategisch wichtige Rettungswachen mit wenigen Einsätzen finanziert werden können.

Neue Bergrettungswache gut ausgelastet
Burger dankte herzlich den aktiven Einsatzkräften und ihren Familien, allen Förderern und Mitstreitern, den Partner-Organisationen, den Hüttenwirten und den Gemeinden und Politikern für ihre Unterstützung und brachte den Stellenwert der 2012 neu errichteten Bergrettungswache zum Ausdruck, die bei Einsätzen, Fortbildungen und geselligen Veranstaltungen gut ausgelastet sei. „Wir bekommen aus allen Kreisen unserer Bevölkerung sehr positiv rückgemeldet, dass das Haus an dieser Stelle eine optische Bereicherung für die Stadt und die Nachbargemeinden ist. Es signalisiert: Hier sind Frauen und Männer rund um die Uhr für Sie da! Freilich mit einer Einschränkung: Nur im unwegsamen Gelände“, scherzte Burger. Auch das öffentliche Interesse an der Bergwacht-Arbeit sei allgemein groß, was allein bereits in diesem Jahr 36.000 Klicks auf der Bergwacht-Internetseite verdeutlichen.

Ins Rettungskonzept der Predigtstuhlbahn eingebunden
Ausbildungsleiter Hans Lohwieser berichtete von insgesamt 108 Aus- und Fortbildungsterminen mit insgesamt 653 Teilnehmern, darunter auch Übungen von spezialisierten Einsatzkräften der Canyon-Rettung (10), der Hundestaffel (19), der Einsatzleiter (3) und eigene Kurse für die Anwärter (32). Lohwieser zeigte eindrucksvolle Bilder einer Schluchten-Rettung im weitläufigen, wenig begangenen Steinbachtal zwischen Ristfeuchthorn, Sellarnalm und Sonntagshorn, lobte Ausbilder Manfred Hasenknopf, die Gemeinde Piding und das Technische Hilfswerk für den Bau eines großen, strategisch wichtigen Hubschrauber-Landeplatzes auf einer Schuttrinne am Fuß des Pidinger Klettersteigs und erinnerte an die wichtigen Lawinenkurse, die in Zusammenarbeit mit dem Experten Peter Geyer am Predigtstuhl durchgeführt wurden.

Darüber hinaus wurde die Bergwacht auf Bitten von Betreiber Max Aicher in das weiterentwickelte Rettungskonzept der Predigtstuhlbahn eingebunden. Konkrete Maßnahmen sind ein wichtiger Rettungsstützpunkt zur Patientenversorgung im restaurierten Berghotel, der wegen der strengen Denkmalschutz-Bestimmungen noch immer nicht umgesetzt ist, ein Notfall-Hubschrauberlandeplatz in unmittelbarer Nähe des Gebäudes und eine Hilfsgondel, mit der Fahrgäste evakuiert werden können, falls die Bahn wider Erwarten doch einmal stehenbleiben sollte. Darüber hinaus wurden zum Jahreswechsel zwei Seilfahrgeräte gekauft und bereits getestet, mit denen ein Retter - „wie James-Bond“, so Burger - von der Bergstation zur Kabine abfahren, sich abseilen und die Fahrgäste dann betreuen und im Notfall auch medizinisch versorgen kann.

Burger erinnerte an weitere Höhepunkte, wie die Ehrungen des Bergwacht-Förderers Bernd Rosenberger und des Bergwachtmanns Fritz Eberlein durch den Bayerischen Innenminister und den Landrat, an die Bergwacht-Reise nach Berlin zu Dr. Peter Ramsauer, an den Besuch der Landtagsabgeordneten Michaela Kaniber in der Bergrettungswache und an das Wolfi-Schmid-Gedächtnis-Skirennen, das vergangene Woche erneut am Predigtstuhl zwischen Hochschlegel und Unterer Schlegelalm stattfand. „Mut zeitigt dabei mehr Erfolg als ausgefeilte Skitechnik, zumal nur Start und Ziel vorgegeben waren und freie Routenwahl durch den winterlichen Bergwald möglich war“, berichtete Burger.

Sehr fordernder Bergwachtdienst
„Fassen wir alle Termine zusammen, so stellen wir fest, dass unsere Leistungsträger mittlerweile nahezu jeden zweiten Tag verpflichtet sind – bei Einsätzen, Ausbildungen, Veranstaltungen und mit Werbung um notwendige Spendengelder“, verdeutlichte Burger. Nicht mitgerechnet seien dabei alltägliche Arbeiten wie Bauunterhalt, Rasenmähen, Fahrzeugwartung, Materialverwaltung, Pressearbeit und die finanzielle Abwicklung und Organisation des laufenden Betriebs, beispielsweise die Rückabwicklung von Strafzetteln wegen Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit bei Blaulichtfahrten zu Einsätzen. Burger wagte wegen der oft ohnehin schon hohen zeitlichen Belastung der Führungskräfte im Beruf die strategische, in die entfernte Zukunft gerichtete Gretchen-Frage: „Quo vadis professionelles Ehrenamt, wohin geht die Reise?“ Trotzdem sei die Stimmung aber voll gut. „Unsere Botschaft ist: Wir machen die Arbeit sehr gerne, weil wir leidenschaftlich sind, weil wir unsere Heimat lieben, und weil wir Verantwortung übernehmen und weil wir wissen, dass die in unseren Bergen Verunglückten und in Not Geratenen auf uns setzen!“

Viel Lob für die geleisteten Dienste
Zahlreiche Ehrengäste dankten der Bergwacht mit ihren Grußworten und im persönlichen Gespräch für die geleisteten Dienste und die gute Zusammenarbeit, darunter Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, zugleich stellvertretender BRK-Kreisvorsitzender, Pidings Bürgermeister Hannes Holzner, Oberst Alexander Sollfrank, der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, die Polizeichefs von Bad Reichenhall und Berchtesgaden, Wilhelm Bertlein und Günther Adolph, BRK-Chefarzt Dr. Franz Leipfinger, der Technische Leiter der BRK-Kreis-Wasserwacht, Siegfried Hauber, die Bereitschaftsleiter Lorenz Aschauer und Thomas Klein von den Bergwachten Teisendorf-Anger und Freilassing, Pilot Ekkehard Steinau und BRK-Rettungsassistent Alf Mayer vom Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“, Feuerwehr-Vizekommandant Franz Gruber, Revierförster Hubert Grassl sowie Robert Kern und Christoph Sperger vom Deutschen Alpenverein. Lackner: „Ihr seid eine super Truppe und wir sind sehr zufrieden mit Euch!“

Autor: BW Rei N 08 2015

Burger wagte wegen der oft ohnehin schon hohen zeitlichen Belastung der Führungskräfte im Beruf die strategische, in die entfernte Zukunft gerichtete Gretchen-Frage: „Quo vadis professionelles Ehrenamt, wohin geht die Reise?“ Trotzdem sei die Stimmung aber voll gut. „Unsere Botschaft ist: Wir machen die Arbeit sehr gerne, weil wir leidenschaftlich sind, weil wir unsere Heimat lieben, und weil wir Verantwortung übernehmen und weil wir wissen, dass die in unseren Bergen Verunglückten und in Not Geratenen auf uns setzen!“
„Der Schwerpunkt lag heuer eindeutig mit 17 (2013: 11) Alarmierungen am Staufen, den wir intern auch gerne als den Kino-Berg von Reichenhall bezeichnen, da die gesamte Südseite vom Tal aus so gut einsehbar ist und wir dort häufig Meldungen über als alpines Notsignal missverstandene Lichtquellen von Stirnlampen nachforschen müssen“, berichtete Burgers Stellvertreter Stefan Strecker, zugleich Leiter der Lawinen- und Suchhundestaffel in der Region Chiemgau.

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