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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsätze

Montag, 15. September 2014

Retten bitte, Kamera läuft!

BR-Fernsehen zeigt große TV-Reportage über die Bergwacht Ruhpolding Sendetermin ist am Montag, den 15. September um 20.15 Uhr

Es half nichts, sie mussten das durchziehen. Bei jedem Wetter hatten sie gesagt, und jetzt hingen sie mitten in der Hörndlwand und mussten die Patientin da rausholen. Sie hatte sich an der Wirbelsäule verletzt und musste liegend durch die senkrechte Wand geborgen werden, unter ihnen hundert Meter freier Fall. Der Regen überzog den Fels mit einem Schmierfilm, das Wasser kroch ins Genick. „Weiter ablassen“, knarzte es aus dem Funkgerät.

„Eine spektakuläre Übung“ wolle das Kamerateam vom Bayerischen Fernsehen filmen, hatte es geheißen. Kein Problem, sagten sie. Übungen am Hörndl sind immer spektakulär und gehören für die Jungs zum Standardprogramm. Das schlechte Wetter an solchen Tagen leider auch. „Hauptsache es lohnt sich“, dachten sie. Sie zogen die Kapuze über den Kopf und führten die tropfnassen Seile durch die Sicherung. „Zeig mir das noch einmal“, sagte der Kameramann. Na gut, wenn es unbedingt sein muss. Es wurde kalt. 

So ähnlich lief sie ab, eine der Schlüsselszenen für die Dreharbeiten der Bergwacht Ruhpolding mit dem Bayerischen Fernsehen im August. Die Bergretter sind neben den Höhlenrettern aus dem Frankenjura Protagonisten einer TV-Reportage namens „Abenteuer ist nicht lustig!“, die am Montag, den 15. September um 20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen läuft. 

Der 45-minütige Film ist Teil des Formats „Jetzt mal ehrlich“. Moderator Rainer Maria Jilg begibt sich darin regelmäßig auf die Fersen gesellschaftlicher Probleme. Er hinterfragt Bayerns Verhältnis zur EU, begleitet junge Aktivisten auf eine Nazi-Gegendemo oder forscht den Gründen für spätes Kinderkriegen in Deutschland nach. Diesmal geht es um die Frage: Wie aufwändig sind Rettungsaktionen im Gebirge und wie gehen Bergretter mit der „Vollkasko“-Mentalität vieler Bergsportler um? 

Nach dem europaweit beachteten Einsatz in der Untersberg-Höhle wandte sich Sendungsmacher André Görschel an die Bergwacht Bayern mit der Anfrage, ob eine der Gebirgs-Bereitschaften Lust hätte, ihre Arbeit vor der Kamera zu zeigen. Die Zusage kam aus Ruhpolding. Hintergrund sind aktuelle Statistiken, nach denen die Unfallzahlen am Berg immer weiter steigen. Vor allem die Zahl „blockierter“ Personen nimmt zu, also jener, die unverletzt aber erschöpft oder verängstigt am Berg festsitzen. 

Eine der Hauptpersonen im Film ist Schreinermeister Sebastian Steinbacher, der den Bergwacht-Piepser permanent am Hosenbund trägt. Bei fast jedem Alarm lässt er die Arbeit liegen und rückt zum Einsatz aus. Wie stark die ehrenamtliche Tätigkeit als Bergretter den Alltag des Familienvaters prägt, zeigt diese Anekdote von den Dreharbeiten: Als das Kamerateam die Ausrüstung zur Pause weglegt, erreicht Sebastian Steinbacher plötzlich eine richtige Alarmierung. Binnen Sekunden springen alle auf, bei laufender Kamera geht es zum Einsatzort an der Traun. Was dort passiert, erleben die Fernsehleute hautnah mit. 

Daneben nimmt die Reportage den Zuschauer mit zum Klettersteig am Hausbachfall in Reit im Winkl. Der erste Klettersteig im Chiemgau ist vom Auto aus in einem superkurzen Zustieg zu erreichen und lockt so viele Klettersteigneulinge zu Experimenten am Fels. Im Film hängt sich der Moderator selbst ans Drahtseil und erlebt, wie schnell man sich am Berg selbst überschätzt. 

Als Höhepunkt der dreitägigen Dreharbeiten organisierte die Bergwacht für das Kamerateam eine große Übung an der Hörndlwand samt komplettem Rettungs-Szenario: 

Vom Übungsalarm über die Material-Schlepperei zur Hörndlhütte bis zur Bergung durch die senkrechte Wand bei Regen und Nebel. Rund ein Dutzend Bergwachtler half vor der Kamera mit, dem fünfköpfigen BR-Team entsprechende Bilder zu liefern. Wie es dort oben am Hörndl zuging, wie gefährlich so eine Bergung ist und warum die Leute von der Bereitschaft Ruhpolding trotzdem jederzeit helfen, all das zeigt „Abenteuer ist nicht lustig!“. 

Größere Probleme während des Projekts gab es keine, abgesehen von einem kurzen Frust-Moment: Um die große Mannschaft samt Kamerateam schnell und sicher durch die Wand zu bringen, wurde tags zuvor ein Fixseil durch die Schmid-Kunz-Führe verlegt. Als am Drehtag die ersten Leute aufsteigen wollten, war das Seil weg. Ein übereifriger Begeher hatte es abgebaut und samt Schlingen und Karabiner in eine Nische geworfen. „Jetzt mal ehrlich – Abenteuer ist nicht lustig“ 

Montag, den 15. September um 20:15 Uhr im Bayerischen Fernsehen und danach in der BR-Mediathek

Autor: Sebastian Nachbar

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