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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Einsatz am Mannlgrat bei strömendem Regen

Zu einem Einsatz am Mannlgrat wurde die Bergwacht Berchtesgaden am Montag um 19:05 Uhr alarmiert. In einem relativ kurzen Zeitabstand war dies der dritte Einsatz in diesem Bereich bei äußerst ungünstigen Wetterverhältnissen. Eine NW-Wetterlage brachte heute anhaltenden starken Regen mit böigem Wind und Schneefall bis 1800 m. Diesen Tag nützte ein 20-jähriger US-Amerikaner aus Louisiana für einen Ausflug auf den Kehlstein. Er fuhr mit dem Bus hoch und wollte nur vom Kehlsteinhaus aus den Rundweg gehen.

Er konnte die Wegbeschreibungen und Hinweistafeln nicht lesen und ging deshalb immer der Markierung des Mannlgrates nach. Nach der Postenmauer kam er aus unerklärlichen Grund zum Einstieg des Steftensteiges (Eisenkendlsteig) der ins Endstal führt. Etwa 70 m unterhalb des Grates konnte er nicht mehr weiter. Schlecht ausgerüstet und nur mit einem Hemd bekleidet rief er um Hilfe. Ein Jäger hörte im Bereich Scharitzkehlalmdie Hilferufe und verständigte die Rettungsleitstelle.

Der Einsatzleiter der Bergwacht fuhr sofort ins Endstal, um dort mit dem Jäger die Rufe zu lokalisieren, was aber nicht gelang. Eine Einsatzgruppe fuhr auf den Kehlstein und lief in Richtung Mannlgrat. Gleichzeitig wurde der Rettungshubschrauber aus Traunstein angefordert. Vom Kehlstein aus waren die Hilferufe gut wahrnehmbar und die Bergwachtmänner waren bereits um 20:15 Uhr bei dem schon sehr unterkühlten und erschöpften Amerikaner. Er wurde mit warmer Kleidung versorgt und in einem Rettungssitz zum Aufnehmen vorbereitet. Der Rettungshubschrauber landete zu diesem Zeitpunkt bereits am Faselsberg, da in höheren Lagen die Gefahr der Nebelbildung bestand. Mit einem Bergwachtmann zusammen wurde der Gerettete mit einem 30 m-Bergetau aufgenommen und direkt zum Krankenhaus Berchtesgaden geflogen.

Der Rest der Rettungsmannschaft ging zum Kehlsteinhaus zurück und fuhr mit den Einsatzfahrzeugen wieder in das Tal. Insgesamt waren sieben Bergwachtmänner im Einsatz.
Eine von der Feuerwehr Berchtesgaden bereitgestellte Wärmebildkamera zur Suche mit dem Hubschrauber, musste nicht mehr eingesetzt werden. Vom Hubschrauber wurde in der Einsatzhöhe auf ca. 1800 m eine Lufttemperatur von plus einem Grad gemessen. Bei einer Windgeschwindigkeit von nur 5 m/s wirken auf einen Körper schon rund
5 Grad minus ein.

Einsätze

Donnerstag, 21. September 2017

Unerwartet früher Wintereinbruch im bayerischen Hochgebirge führt zu kritischen Verhältnissen am Berg

Lawinenabgang im Bereich Landtalsteig – Berchtesgadener Alpen zieht tödlichen Absturz nach sich

SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE/RAMSAU – Ein erst 24-jähriger Bergwanderer aus den Niederlanden ist am Donnerstagnachmittag gegen 16.15 Uhr unterhalb der Laafeldwände im Hagenbirge in rund 1.650 Metern Höhe auf einem Steig ins Landtal von einem Nassschneerutsch erfasst worden und rund 60 bis 80 Meter tief über felsiges Gelände tödlich abgestürzt. Seine Familie stieg durch das steile Gelände ab, konnte aber nichts mehr für den Mann tun – erst gegen 18 Uhr konnten sie weiter unten einen Notruf absetzen, was wegen fehlendem Handynetz zuvor nicht gelungen war. Die Berchtesgadener Bergretter und vier Hubschrauber-Besatzungen flogen die betroffenen Angehörigen aus und kümmerten sich um die Bergung des Toten.

Die vierköpfige, niederländische Familie, die sich zurzeit im Urlaub im Chiemgau befindet, machte sich am Donnerstagmorgen zu einer Wanderung in Richtung Gotzen- und Wasseralm auf. Am Nachmittag gegen 15 Uhr gingen sie von der Gotzenalm über die Regenalm in das Landtal. Sie querten unterhalb der Laafeldwände in rund 1.650 Metern auf einem Steig in das Landtal hinein. Gegen 16.15 Uhr erfasste in einer Rinne ein Schneerutsch den als letzten gehenden 24-jährigen Sohn und riss ihn mit. Der junge Mann stürzte daraufhin etwa 60 bis 80 Höhenmeter in felsigem Gelände ab und war sofort tot, da er sich schwerste Kopfverletzungen  zugezogen hatte.

Die Familie stieg durch das steile Gelände zum abgestürzten Sohn ab, konnte aber nichts mehr für ihn tun. Sie stiegen weiter über das Landtal in Richtung Obersee ab, bis endlich kurz vor 18 Uhr wieder ein Handynetz verfügbar war. Als der Notruf einging, schickte die Leitstelle Traunstein sofort die Berchtesgadener Bergretter, die Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergwacht-Region Chiemgau, den Salzburger Notarzthubschrauber „Christophorus 6“ und den Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ los, dessen Besatzung bereits im Gebiet war, da sie unmittelbar zuvor einen abgestürzten Boulderer mit Bein- und Fußverletzung vom Blaueis ins Tal geflogen hatte. Die Besatzung von „Christophorus 6“ und ein Berchtesgadener Bergretter konnten vor Ort aber nur noch den Tod des 24-Jährigen feststellen. Sie flogen dann die unverletzten, aber frierenden und geschockten Angehörigen nach Schneewinkl aus, wo sie dann der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht weiter betreute.

Weitere Einsatzkräfte der Bergwacht, darunter auch vier Suchhundeteams, standen für einen größeren Einsatz vor Ort in Bereitschaft, mussten aber nicht im Gelände aktiv werden, da sonst niemand mehr mitgerissen oder verschüttet worden war. „Christoph 14“ flog den Polizeibeamten der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) und zwei Berchtesgadener Bergretter zur Unfallstelle. Der Polizeibergführer nahm den Unfall auf und die Bergretter kümmerten sich um die Bergung des Toten, der im Anschluss im letzten Tageslicht von der Besatzung des Polizeihubschraubers „Edelweiß 1“ aufgenommen und ausgeflogen wurde.  Ein nachflugtauglicher Transporthubschrauber der Bundespolizei holte die restlichen Einsatzkräfte später aus dem Landtal ab und flog sie nach Schneewinkl aus. An dem Einsatz waren neben den vier Hubschraubern noch 14 Berchtesgadener Bergretter und vier Bergwacht-Hundeführer beteiligt. Die Reichenhaller Bergwacht tankte die Hubschrauber mit ihrem Kerosin-Anhänger wieder auf.

Im Bereich der Unfallstelle lagen rund 20 bis 30 Zentimeter durchfeuchteter Schnee. Durch die Sonneneinstrahlung und den Temperaturanstieg am Nachmittag kam es im gesamten Bereich ab der Gotzenalm zu vielen Nassschnee-Rutschen, wobei der schwere Schnee auf dem grasigen und steilen Untergrund ohne Haftung abglitt. Dieser nasse Schnee entwickelt in seiner Masse eine unbändige Kraft, die Menschen locker mitreißen kann, was dem 24-jährigen Mann zum Verhängnis wurde. Die Familie hatte sich zuvor noch in der Gotzenalm über die Verhältnisse informiert. Nachdem bereits im Laufe des Tages ein Bergführer eine Spur gelegt hatte, ging die Familie davon aus, dass es keine Probleme geben sollte. „Es ist in den nächsten Tagen davon auszugehen, dass bei weiterer Erwärmung noch weitere und intensivere Schneerutsche auch aus höheren Lagen abgehen werden. Die Schneehöhe nimmt inneralpin der Berchtesgadener Bergen massiv zu, so dass Wanderungen bei der angesagten Wetterbesserung mit Bedacht und Vorsicht angegangen werden sollten“, warnt die Polizei in ihrer Presseaussendung.

Bereits ähnliche Situation Ende April

Die aktuell kalte Witterung und der ungewöhnlich viele Schnee für Mitte September mitten in der ansonsten zu dieser Zeit eher milden Wander-Saison bringen die mit den Themen Schnee und Lawine eher unerfahrenen Sommer-Bergsteiger rasch an ihre Grenzen; eine ähnliche Situation gab es heuer bereits Ende April mit einem ungewöhnlich späten, erneuten Wintereinbruch im Berchtesgadener Land. Zu dieser Zeit waren bereits viele Urlauber im Landkreis, die in den Bergen wandern gehen wollten, von der kalten Witterung aber überrascht wurden, dann aber trotzdem losstarteten. Der erneute, späte Wintereinbruch mit unerwartet viel Schnee freute zwar viele Skitourengeher und ermöglichte nochmals Abfahrten bis ins Tal, konfrontierte aber bereits auf den Sommer eingestellte Bergsteiger mit Schwierigkeiten und Gefahren, denen sie sonst nicht ausgesetzt sind und mit denen sie wenig oder gar keine Erfahrung haben. „Es ist rutschig, es drohen Lawinen und Steinschlag und der teilweise tiefe Schnee fordert wesentlich mehr Kondition und zusätzliche Kleidung“, betont der stellvertretende Bergwacht-Regionalleiter Thomas Lobensteiner.

 

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