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Die Bergwacht Bayern ist Gründungsmitglied der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen.

Unter dem Roten Kreuz

Liebe Freunde der Bergwacht Bayern,

eine Chronik über die Bergwacht Bayern eröffnet dem Leser drei wichtige Perspektiven: Sie berichtet von den Aufbrüchen und Entwicklungen, dem Tatendrang und Pioniergeist einer alpinen Institution, die sich seit Jahrzehnten zum Wohle der Allgemeinheit engagiert. Zweitens ist sie dabei ein anschauliches Dokument für das jahrelange unermüdliche Engagement ehrenamtlich tätiger Berwachtler, die trotz politischer und struktureller Veränderungen ihren Rettungs- und Naturschutzeinsätzen am Berg nachgingen und -gehen. Und zum Dritten ist die Chronik ein Appell und Mutmacher für die Zukunft, sich den Herausforderungen neuer Trends und gesellschaftlichen Entwicklungen im alpinen Raum zu stellen und wiederum adäquate Antworten zu finden.

In diesem Sinne kann sich der Leser nun auch in den zweiten Teil der Geschichte über die Bergrettung in Bayern vertiefen. In seinem „geschichtlichen Flickerlteppich" dokumentiert Gerhard Opperer anschaulich in chronologischer Reihenfolge die Ärea der Bergwacht Bayern seit Kriegsende 1945 unter Regie des Roten Kreuzes. Die Einblicke in die Bergwachtgeschichte sind erkenntnisreich: Erstaunlich, was sich in einem halben Jahrhundert veränderte.

So gestaltete sich der Neuaufbruch nach dem zweiten Weltkrieg nicht ganz einfach. Das Hauptquartier der dritten Amerikanischen Armee hatte das Bayerische Rote Kreuz mit der Durchführung des Alpinen Sanitäts- und Rettungsdienstes beauftragt. Mit Skepsis wurde die Taufe der „Sonderformation Bergwacht" am 15. Februar 1946 unter der Dachorganisation des BRK beobachtet. Auch das Auswechseln des grünen Kreuzes als Dienstabzeichen gegen das rote Kreuz bereitete in Bergwachtkreisen anfangs Unbehagen. Gleichzeitig aber war nach Kriegsende das „Weitermachen" für alle Bergwachtmitglieder ein großes Anliegen und es gab alle Hände voll zu tun. Unter Führung von Ludwig Gramminger im BRK-Präsidium des Referates Bergwacht wurde der Aufbau nach dem Krieg eingeleitet, von Hüttenrevisionen bis hin zur Aufstockung des Ausrüstungslagers und Fuhrparks.

Harte Zeiten hatte die Bergwacht in den Aufbaujahren nach dem Krieg auch finanziell zu bestehen. Einfallsreich wurde versucht, dieser Misere zu begegnen. Die Chronik berichtet über die erfolgreiche Aktion des Kuratorium Rettungsdienst Bayern „Rette Dein eigenes Leben", welche zur Sanierung der Rettungsinstitutionen beitrug. Die Einführung des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes 1974 machte den Bergrettungsdienst dann zur öffentlichen Aufgabe und ermöglichte Teilfinanzierungen durch den Staat.

Nicht nur strukturell waren die Nachkriegsjahre von Aufbrüchen gekennzeichnet. In großen Fort-Schritten wurden neue Bergrettungsgeräte entwickelt und eingeführt. Die Anwendung des Stahlseilfunks galt 1948 als Novum und ermöglichte damals die Verständigung bei großen Abseilhöhen. Im Herbst 1950 erhielten erstmals alle Bereitschaften Akjas, die Gebirgstrage hatte schon kurz zuvor ihre Geburtsstunde. Motorschlitten, Skijet, Steffltrage hielten im Lauf der Zeit ihren Einzug. Anfang der Neunziger Jahre ergänzten Statikseile und Faserseilwinde die bisherigen Stahlseil-Methoden.

Neben technischen Neuerungen kam auch der Lawinenhund zum Einsatz im Bergwachtdienst: Ein fortschrittlicher Weg begann mit der Einführung des ersten Lawinenhundekurse im Jahre 1952. Rund vierzig Jahre danach wurde zusätzlich zur Lawinenhundeausbildung die Vermissten- und Katastrophen-Hundeausbildung initiiert.

Erst in der Gesamtschau der Chronik wird auch die rasante Entwicklung in der Luftrettung deutlich. Trotz erster Hubschrauberübungen der Bergwacht 1956 im Tegernseer Tal wurde die Luftrettung noch im Jahre 1962 als selten vorkommendes Einsatzfeld der Bergwacht beurteilt. Dass dies damals eine Fehleinschätzung war, zeigen die Fakten der heutigen Zeit. Die Luftrettung gehört inzwischen zum alltäglichen Repertoire der Bergwachtarbeit. Noch in diesem Jahr wird der Bau einer Trainingsanlage für Luftrettung der Bergwacht Bayern begonnen und somit eine neue Ausbildungs-Ärea eingeleitet.

Von weiteren Aufbruchswehen erzählt die Chronik: Ein erster Antrag zur Aufnahme von Frauen in der Bergwacht des Abschnitts Bayerwald scheiterte 1989 am Veto des Landesausschusses. Doch auch hier haben sich die Zeiten verändert und die Tür für die Bergwacht-Ausbildung wurde für Frauen in den Bereitschaften geöffnet.

Dieser geschichtliche Flickerlteppich ist eine historische Bestandsaufnahme mit katalytischer Wirkung. Was in den vergangenen Jahren gesät, entwickelt und hier dokumentiert wurde, ist wiederum die Basis weiteren Fort-Schreitens in der Zukunft. Internationale Kontakte oder Trendsporteinsätze wie Canyoning oder Eisklettern zeigen „moderne" Einsatzfelder auf. Es zeichnet sich das spannende Bild, wie die Bergwacht Bayern in der nächsten Chronik beschrieben sein wird und ermuntert zu neuen Aufbrüchen.


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