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Dienstag, 15. November 2016

Ehrung für Bergretter

Deutscher Alpenverein ehrt den Kriseninterventionsdienst der Bergwacht Bayern mit dem Grünen Kreuz

12.11.2016 / Im Rahmen der Hauptversammlung des Deutschen Alpenvereins in Offenburg überreichte der Vizepräsident Philip Sausmikat das „Grüne Kreuz“. Stellvertretend für alle Einsatzkräfte der Krisenintervention nahmen der Mitinitiator der Krisenintervention in der Bergwacht, Heiner Brunner und Thomas Kieke, klinischer Psychiater aus dem Fichtelgebirge und fachlich Mitverantwortlicher in der Krisenintervention, die Auszeichnung entgegen.

Seit 1922 verleiht der Deutsche Alpenverein das „Grüne Kreuz“, eine Auszeichnung für besonders verdiente Bergretter. Der Kriseninterventionsdienst der Bergwacht Bayern (KID BERG) wurde Ende 1999 gegründet. Der Dienst umfasst heute ca. 80 BergretterInnen der Bergwacht Bayern. Über 100 Einsätze werden jährlich von den Einsatzkräften geleistet. Darüber hinaus wird eine telefonische Hotline an 365 Tagen / 24 h für die Begleitung der Einsätze und als Ansprechstelle für alle Betroffenen unterhalten.

Seit 2003 bilden ein Teil der Einsatzkräfte der Bergwacht auch das Kriseninterventionsteam des Deutschen Alpenvereins. Als Mitglieder des DAV übernehmen sie die psychosoziale Notfallversorgung bei schwerwiegenden Unfallereignissen bei Gruppenveranstaltungen des Deutschen Alpenvereins auch außerhalb Bayerns. Auch beim DAV war es Heiner Brunner der gemeinsam mit Wolfgang Wagner, dem ehemaligen Bereichsleiter Bergsport, für den Aufbau des Dienstes sorgte.

Laudatio zur Verleihung des „Grünen Kreuzes“
Stefan Schneider,  stellv. Vorsitzender der Bergwacht Bayern

Sehr geehrter  Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ehrengäste, sehr geehrte Damen und Herren,

das Grüne Kreuz steht traditionell für besondere Leistungen von Menschen in der Bergrettung. Begrifflich benennt dies den Zustand,  dass ein Leben gerettet werden konnte, ein Erfolg durch besonderes Engagement, durch einen besonderen Einsatz in einer sehr schwierigen Situation. Die Menschen, die wir heute für ihre Arbeit in der Bergrettung auszeichnen, kommen in der Regel dann zum Einsatz, wenn diese Erfolge ausgeblieben sind oder die Chancen auf Rettung sehr in Frage stehen.

Wenn Bergsteiger nicht mehr heim kommen.

Diese Tatsache können die Einsatzkräfte des Kriseninterventionsdienstes  der Bergwacht Bayern  bzw. die Mitglieder des Krisenteams des Deutschen Alpenvereins nicht ändern. Auch sie machen den Tod am Berg nicht ungeschehen. Seit Ende der 1990er Jahre stehen sie für einen Dienst, der sowohl in der Landrettung als auch in der Bergrettung nicht mehr wegzudenken ist.

Die Welt ist gut, sie ist gerecht und wir sind als Menschen in der Lage zu handeln und uns zu helfen. Mit diesen Grundannahmen bewegen wir uns mehr oder minder durchs Leben oder gehen in die Berge. Der plötzliche Tod kann alles in Frage stellen. Besonders dann, wenn wir am Berg den Unfalltod des Gruppenmitglieds, des Freundes, der Freundin hautnah miterleben müssen oder wenn wir als Daheimgebliebene mit dem Tod eines geliebten Angehörigen konfrontiert werden. Nichts ist wie es eben noch gewesen ist. Wir sind überfordert, wissen nicht was noch normal ist -  im ersten Moment, den Stunden und Tagen danach, im schlechtesten Fall ein ganzes Leben lang. 

Die Aktiven in der Krisenintervention bei Bergunfällen sind Bergretter mit einer psychosozialen Zusatzqualifikation nach festgelegten Standards. Sie sind für die Überlebenden da, für die Tourenpartner, die Ersthelfer, die Angehörigen und die Verantwortlichen zu Hause. Sie hören zu, sie haben Zeit, sie unterstützen dabei, das Unbegreifliche begreifbar zu machen. Sie bereiten vor auf das was kommen kann, sie organisieren und vermitteln Sicherheit. Sie  können unterstützen auf dem Weg in eine veränderte Normalität nach einem außergewöhnlichen Ereignis. Das Maß und die Zeit der Unterstützung bestimmen die Betroffenen.  Die Arbeit der Krisenintervention lebt  von der Polarität zwischen Angebot und Nachfrage, zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem Abwägen von zu viel oder zu wenig, je nach Situation.

Medizinisch ist die Arbeit der Krisenintervention  eine Form der Prävention gegen eine mögliche  Manifestierung von traumatischen Störungen. Die Arbeit der KIDler, wie sie von den KollegInnen genannt werden, ist damit rettungsdienstlich relevant. Sie entlastet die Rettungskräfte am Unfallort, sie unterstützt alle Beteiligten in einer alles anderen als gewöhnlichen Lebenssituation und ist Ausdruck einer solidarischen Gesellschaft.

Lieber Heiner, lieber Thomas,
Euer hohes persönliches Engagement,  die Arbeit aller MitarbeiterInnen der Krisenintervention in der Bergwacht Bayern und des Deutschen Alpenvereins werden heute mit dem Grünen Kreuz des DAV gewürdigt. Wir  gratulieren Euch und allen Aktiven zur Verleihung dieser besonderen Auszeichnung.

 

             

 

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